In einem grünen Tal Pyin Oo Lwins

Am folgenden Tag entschließen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück ein Fahrzeug zu leihen. Unser Motel bietet für rund 14 € pro Tag die Möglichkeit, mit einem kleinen Motorroller die Gegend zu erkunden. Zunächst sind wir skeptisch, da wir gelesen hatten Ausländern sei es trotz internationalem Führerscheins nicht erlaubt in Myanmar ein motorisiertes Fahrzeug zu führen. Unser Motelbesitzer versichert uns jedoch, dass es von Seiten der Polizei keine Einwände gibt. Vermutlich um den Einheimischen das Geschäft nicht zu verhageln. Es zeigt sich schnell, dass es sich um einen Roller mit Charakter handelt. Die Geschwindigkeits- und Laufleistungsanzeige funktionieren nicht und die Blinker geben einen schrillen Ton von sich (lauter als die Hupe). Die Gänge, es handelt sich um eine 4-Gang-Halbautomatik, krachen rein und bringen den Motor ab und an zum Ausgehen. Wir wurden von der Rezeptionistin zwar darauf hingewiesen, dass man in Städten bei Tag das Licht des Fahrzeuges nicht anschalten darf, aber das ist bei nicht funktionierendem Licht ohnehin uninteressant. Und so trauen wir uns zum zweiten Mal in den ruppig, lauten myanmarischen Verkehr. Vorbei an Militärschulen, Militärkrankenhäusern, einem Flughafen und weiteren Militäreinrichtungen fahren wir rund 1 h in Richtung Süden unserem Ziel entgegen.

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Ein Teil dieses Dschungels werden wir durchlaufen, um zum Anisakan-Wasserfall zu gelangen.

Am Startpunkt des Wanderweges angekommen, können wir unerwarteterweise den Roller kostenlos parken. In aller Ruhe begeben wir uns auf den teils steilen und kurvenreichen Abstieg. Die kühle, erfrischende Bergluft und die Aussicht auf die umliegenden bewaldeten Hügelketten machen den Ausflug jetzt schon lohnenswert. Statt eines Wanderweges erwartet uns ein teils betonierter Pfad, welcher an einigen Stellen mit Geröll verschüttet ist. Nur wenige Burmesen leben am Rand des Pfades auf dem Weg ins Tal. Wir kommen an vereinzelten verlassenen Hütten vorbei, wo abgemagerte Hunde die Stellung halten. Vorbei an einer kleinen Pagode gelangen wir schließlich bei strahlenden Sonnenschein zum Anisakan-Wasserfall. Dieser – auch bekannt als Dattawgyaik Waterfall – hat eine Höhe von nahezu 122 m und erstreckt sich über drei Ebenen.

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Vorbei am Geröll (oben) erreichen wir nach rund 1 h den Wasserfall (unten).

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Das spanische Pärchen, welches dieses Bild von uns machte, werden wir später auf unserer Reise wiedertreffen.

Nach einer erfrischenden Snackpause im Sprühregen des Wasserfalls treten wir den beschwerlichen Aufstieg aus der Schlucht an. Dunkle Wolken ziehen auf, als wir auf dem Rückweg plötzlich dem deutschen Pärchen von unser Mandalay-Taxifahrt gegenüberstehen. Nach einem kurzen Austausch über unsere Unterkünfte und die Weiterreise zum Inle Lake geht’s zügig weiter dem Roller entgegen. Auf der Hälfte des Weges verschwindet die Sonne und die angenehme Wärme in einem starken Gewitterregen. Mit zwei Regenschirmen bewaffnet lassen wir uns von dem Getöse nicht aufhalten. Der andauernde Regen gewinnt jedoch gegenüber unseren Schirmen, welche anfangen durchlässig zu werden. Fast völlig durchnässt kommen wir am Parkplatz an, wo wir mehr als 1 h auf den Stopp des Regengusses warten. Zum ersten Mal in Südostasien frierend steuern wir unser Motel für eine heiße Dusche an.

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Hier sieht man das einzig funktionierende Teil des Rollers … und Josi im Pullover bei frischen 23 °C.

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Pyin Oo Lwin – im grünen Osten Mandalays

Unser nächstes Ziel ist das in etwa 1000 m Höhe liegende, kleine Örtchen Pyin Oo Lwin, auch bekannt als die Stadt der Blumen. Wir teilen uns die zweistündige Taxifahrt mit einem anderen deutschen Pärchen und haben einen regen Austausch über die bisher besuchten Orte Myanmars und Thailands. Nebenbei bekommen wir hilfreiche Tipps für unseren späteren Aufenthalt am Inle Lake. Die vorbeirauschende Landschaft gewinnt an Höhe und bietet uns einen wunderschönen, sonnigen weiten Ausblick über die fruchtbare und teils überflutete Ebene um Mandalay. Im Vergleich zum recht warmen Bagan und Mandalay bringt uns Pyin Oo Lwin eine willkommene Abkühlung von 24 bis 26 °C. Das Taxi hat den Vorteil, dass wir direkt vor dem Hotel abgeladen werden. Der Fahrer entscheidet sich jedoch rund 800 m vor dem Ziel noch eben den Luftfilter zu wechseln und steht mit uns 15 min vor einer unscheinbaren Werkstatt (kleiner Holzstand). Danach bringt er uns direkt zum Motel 99, wo wir etwas abgelegen vom belebten Stadtinneren die Ruhe und den Blick auf die mit Dschungel bewachsenen Hügel vollends genießen können. Eine Schar an freundlichem Personal steht bereit, um uns sogleich sämtliches Gepäck abzunehmen. Nach einer ausgiebigen, lustigen (die Rezeptionistin grinst unentwegt) Erklärung des Essensangebotes im Restaurant, der Ausflugsziele und Verleihmöglichkeiten von Rädern oder Rollern gönnen wir uns eine kurze Ruhepause.
Wir leihen uns für den restlichen halben Tag klapprige, aber besser als in Bagan funktionierende Fahrräder aus. Unser Ziel ist der botanische Garten Kandawgyi – eine riesige, 177 ha große Grünanlage. Vor allem Einheimische und burmesische Touristen sind in großer Zahl auf den Hauptwegen zu finden oder entspannen und essen unter den Bäumen.

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Ein kleiner Ausblick auf die mit Zierpflanzen geschmückten Hauptwege des botanischen Gartens in Pyin Oo Lwin.

Anhand der Parkkarte planen wir abseits der Trüppchen mit den für uns wichtigsten Punkten eine kleine Rundtour. Nach einem Besuch bei einem kleinen Fossil- und versteinerten Holz-Museum biegen wir auf einen einsamen Holzpfad in den kleinen sumpfigen Dschungel ab. Schnell hören wir wieder laute, vertraute Dschungelgeräusche, die uns an unsere abenteuerliche Wanderung um Chanthaburi erinnern. Vorbei an einem Tiergehege mit uns unbekannten Takin-Rindern und einem Bambuswald steuern wir einen hochgelegenen Holzpfad an.

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Vorbei am nicht zu übersehenden Bambuswald mit unzähligen, verschiedenen Arten geht’s zum ‚Baumwipfelpfad‘ Pyin Oo Lwins.

Wir umrunden ein Gehege von wunderschönen, sehr scheuen Rehen, die bei lauteren Besuchern nervös mit den Ohren wackeln und das Weite suchen. Anschließend geht’s zu einer Vogelvoliere, die heimische tropische Vögel jeglicher Größe enthält. Über uns flattern riesige Nashornvögel – allein ein Flügelschlag verursacht lautes Rauschen. Die alles genau beobachtenden Vögel sind sehr verspielt und necken sich gegenseitig. Neben Enten, flitzenden Hühner und verwandten Vögeln stolzieren Pfaus durch die Anlage. Als uns von der Seite jemand auf burmesisch anspricht, sind wir überrascht einen bunten Wellensittich zu sehen. Mit einer deutschen Antwort scheint er allerdings nicht gerechnet zu haben, er verstummt und schaut uns nur ulkig an.

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Im richtigen Dschungel sind die tropischen Vögel eher hör- als sehbar.

Natürlich gibt’s auch eine Orchideensammlung und ein Schmetterlingshaus, letzteres ist leider geschlossen und sieht baufällig aus. Beeindruckt von der vielseitigen und aufwendig erhaltenen Anlage steuern wir schließlich das Ende unseres Rundweges an. Vorbei an einem neugebauten Turm und einem See, genießen wir die Rückfahrt bei untergehender Sonne. Den restlichen Abend verbringen wir auf der Terrasse des Motels mit einem trotz günstigen Preises sehr leckeren Essen und schöner Aussicht.

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Schwarze Schwäne im Sonnenuntergang. Der botanische Garten ist mittlerweile fast menschenleer.

Kurzstopp in Mandalay – Auf der Suche nach Schatten

Unsere Weiterreise nach Mandalay beginnt mit einer kuschelig gefüllten Pick-Up-Fahrt zum außerhalb von Bagan liegenden Bus-Terminal. Der Minibus enthält neben je drei Sitzen pro Reihe ausklappbare Notsitze, die im Laufe der Fahrt alle belegt werden. Ab und an müssen einige Mitfahrer auf nicht vorhandenen Stehplätzen zwischen den anderen Fahrgästen verweilen. Die holprige, 4 ½ h Fahrt führt uns nahe des Irrawaddy-Flusses über wackelige Holzbrücken gen Nordosten. Unser kleiner Bus bietet den Service, die Insassen direkt vor den Hotels abzuliefern, was uns praktischerweise eine Taxifahrt erspart.
In Myanmars zweitgrößten Stadt erwartet uns schließlich eine trockene Hitze von rund 40°C bei absoluter Windstille. Eigentlich kein Ort um lange Laufwege auf sich zu nehmen. Dies hält uns jedoch nicht davon ab, am kommenden Tag den Mandalay-Hill zu Fuß zu erklimmen. Zunächst müssen wir uns jedoch 8 km durch die Stadt und am ehemaligen, 413 ha großen Königspalast vorbei bewegen. Im Schatten wartende Taxifahrer bieten uns bereitwillig ihre Dienste an, was wir höflich ablehnen.

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Auf dem Weg zum Mandalay-Hill treffen wir den ein oder anderen freundlichen ‚Fußgänger‘.

Das Vorrankommen innerhalb der Stadt ist aufgrund der komplett zugestellten Gehwege etwas beschwerlicher als Bangkok. Gehwege stellen in Mandalay eher sowas wie eine Grundstückserweiterung, ein Parkplatz oder Lager für im Haus nicht mehr benötigte Dinge dar. Mit einem blauen Fleck kommt Josi davon, als sie von einem parkenden und plötzlich rückwärtsfahrenden Nutzfahrzeug angerempelt wird. Als Fußgänger sind wir wieder Mal etwas Exotisches, womit anscheinend niemand hier rechnet. Nach gefühlt mehreren Stunden kommen wir verschwitzt am Mandalay Hill an, wo uns nach 777 Stufen auf der Bergspitze eine Pagode mit einer Rundumsicht auf Mandalay erwartet. Nach erst zögerlichen Blicken und heimlichen Fotos anderer Besucher sind wir nach dem Erkunden der Aussichtsplattform auf einmal von lächelnden, burmesischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen umzingelt. Nach vielen Fotos und mehreren kurzen Gesprächen begeben wir uns umringt von hin und her sprintenden, lachenden Kindern auf den Rückweg.

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Lohnenswerter Aufstieg zum Mandalay-Hill. Oben: Aussicht in Richtung des Königspalastes und Zentrums. Unten: Der Irrawaddy-Fluss noch ungezähmt.

Weiterreise nach Bagan – Wie der Kommerz die Welt regiert

Schweren Herzens verlassen wir das SAT-Hotel und sein unglaublich freundliches Personal. Im Gegensatz zum höflichen, aber distanzierten Thailand bekommen wir mehr und mehr den Eindruck, dass die Einheimischen gern mit uns ins Gespräch kommen. Die Freude und der Optimismus über die einbrechenden Veränderungen im Land sind insbesondere bei den jüngeren Burmesen spürbar. Einmal mehr schätzen wir unsere hohen Standards und Fortschritte in Deutschland im Vergleich zu den hiesigen Verhältnissen. Alltägliche Dinge, wie fließend warmes Wasser, sauberes Trinkwasser aus der Leitung, freie Bildung, medizinische Versorgung, konstanter und immer verfügbarer Strom und etliche Punkte mehr, sind hier nicht selbstverständlich. Mit genügend Geld lässt sich dieser Luxus natürlich kaufen. Leider verlieren einige Urlauber den Bezug zur Realität und neigen dazu überzogene Ansprüche zu stellen – negative Bewertungen der Unterkünfte mit teils dreisten Forderungen sind ein passendes Beispiel.
Mithilfe des Hotels buchen wir einen Economy-Nachtbus nach Bagan für etwa 16 € p.P. Wie nicht anders als erwartet, ist das Busticket auf burmesisch. Selbst die Zahlen sind für uns nicht lesbar. Das ganze Busterminal und ausgerufene Busse erklingen in einer fremden Sprache. Da wir viel zu früh da sind, beobachten wir das Gewusel und versuchen unseren Bus ausfindig zu machen. Gar nicht so einfach! Dank einer Englisch sprechenden Passantin gelangen wir zur richtigen Zeit in den richtigen Bus. Auf geht’s also in die aufregende, historische Tempelstadt – eine der größten Ausgrabungsstätte Südostasiens. Unser Bus-Stewart legt zur eigenen Belustigung eine DVD mit chinesischer Stand-Up Comedy samt burmesischem Untertitel ein. Zwischen den Sketchen kommt Gesang, welcher in einer anderen Lautstärke aufgenommen wurde als der Rest. Die so entlarvte Raubkopie wechselt also zwischen Unverständlichem und lauten schiefen Klängen, während alle Insassen versuchen irgendwie zu schlafen. Noch 10 Stunden Fahrt liegen vor uns. Während der wackeligen Nachfahrt halten wir mehrere Male. Da wir die einzigen Touristen sind, orientieren wir uns an den Einheimischen – steigen alle aus, ist es eine Toilettenpause. Steigt nur einer aus, war es vermutlich eine für uns unkenntliche Haltestelle. Steigt der Busfahrer aus und verschwindet im Laderaum, ist Schichtwechsel und Fahrer Nr. 2 übernimmt.

Etwas gerädert kommen wir um 4.30 Uhr morgens etwas nordöstlich von Bagan auf dem zentralen Busbahnhof an. Zu unserem Hotel sind es rund 15 km, daher entscheiden wir uns ein Taxi zu nehmen. Noch etwas verschlafen, fallen wir das erste Mal auf ein zu teures Angebot eines Taxifahrers hinein. Wie wir später erfahren kommen wir für rund 7 € zu viel zum Hotel als üblich. Wir lernen sehr schnell, dass Bagan sich in den letzten Jahren auf den Tourismus eingestellt hat. Alle wollen dir aufdringlich etwas verkaufen, verleihen oder dich zu etlichen Sehenswürdigkeiten bringen. Am besten zu völlig überteuerten Preisen. Da wir früh morgens noch nicht in unser Zimmer einchecken können, beschließen wir erstmal ein bisschen die Gegend zu erkunden. Wir machen nördlich unseres Aufenthaltsortes in New Bagan einen kleinen, am Wasser stehenden Tempel ausfindig, von dem aus wir wunderbar den Sonnenuntergang und den Fluss beobachten können. Zurück im Gästehaus verbringen wir die Zeit damit, die Mittagshitze und den Regen zu verschlafen. Erst nachmittags machen wir uns wieder auf, um noch ein bisschen die Gegend zu Fuß zu erkunden.

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Rund um Bagan sind Bauwerke aus dem 12. und 13. Jahrhundert zu finden. Einige Tempel sind begehbar, in denen Buddha-Statuen und vereinzelt erhaltene Wandmalereien zu finden sind. Durch das Erdbeben im Sommer 2016 werden viele Tempel gerade restauriert oder sind geschlossen.

Am folgenden Tag leihen wir uns zwei, intakt aussehende Fahrräder aus, um die Tempel auf dem Drahtesel zu erkunden. Nach einem sorgfältigen Check der Bremsen und des Reifendruckes machen wir uns auf den Weg. Da wir im vornhinein viel über den schlechten Zustand einiger Räder in Bagan gelesen hatten, waren wir nur mäßig überrascht, als uns im nächsten Dorf die komplette Achse von Josis Rad wegbrach. Nach einem staubigen Fußmarsch zurück zum Verleih, es ist mittlerweile um 12, entscheiden wir uns nun für die batteriebetriebene Variante. Auf dem eBike erfahren wir innerhalb eines Tages alle Sehenswürdigkeiten, die auf unserer To-Do-Liste stehen. Oft biegen wir links oder rechts der Hauptwege ab. Dabei finden wir so einige Orte, die in keinem Reiseführer erwähnt werden, einen Besuch jedoch trotzdem Wert sind.

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Einige Tempel sind über hohe Stufen erklimmbar. Die Anstrengung wird mit einem weiten Rundumblick belohnt.

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Beim Abbiegen von den überlaufenen Hauptwegen entdecken wir weitere begehbare Tempel neben Wohngebäuden und bestellten Feldern.

Am letzten Tag erlaufen wir den südlichen Teil von New Bagan. Die Lawkananga-Pagode ist diesmal unser Ziel, welche wir am Vortag von dem kleinen Tempel vom Fluss aus sahen. Schnell finden wir heraus, dass diese Pagode vor allem von Weitem schön ist. Busse kommen reihenweise an und spucken Touristenhorden aus. Diese erklimmen kurz den Tempelberg und umlaufen einmal die Pagode, um anschließend wieder abttransportiert zu werden. Ein Blick links und rechts abseits zeigt wieder die Schattenseiten des Tourismus in Form von Müll und ungefilterten Abwässern. Auf dem Platz der Pagode treffen wir ein kanadisches Pärchen, die ähnliche, durch den Tourismus geprägte Eindrücke von Bagan wahrnehmen. Wir betrachten noch kurz die oberflächlich schick Gekleideten mit dem hässlichen Charakter, die ihren Müll unachtsam über die Mauern der Pagode in den Irrawaddy-Fluss werfen, bevor wir uns nach Norden zu dem kleinen Tempel aufmachen. Den letzten Sonnenuntergang wollen wir in Bagan in aller Ruhe genießen.

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Stiller Sonnenuntergang über dem Irrawaddy-Fluss fernab von Touristengruppen.

Aufbruch nach Myanmar und herzliche Ankunft in Yangon

Unsere ersten Wochen in Thailand vergingen wie im Fluge. Wieder einmal packen wir unsere Siebensachen für den nächsten Aufenthaltsort. Wir begeben uns zum Flughafen Don Muang, welchen wir ohne Probleme mit dem BTS-System und nach einer kurzen Busfahrt erreichen. Im Terminal herrscht ein chaotisches Gewusel, so dass wir erstmal eine Zeit brauchen, um uns in dem kleinen, aber unkoordinierten Flughafen zurecht zu finden. Wir sind froh als wir das langwierige Einchecken sowie die Sicherheitskontrollen hinter uns gebracht haben. Etwas verspätet starten wir einen 2 h Flug mit AirAsia nach Yangon. Wir haben einen ruhigen Flug mit atemberaubender Aussicht. Schon aus der Vogelperspektive erkennen wir, dass Myanmar deutlich grüner und weniger verbaut ist. Wir werden von einem sehr schönen, modernen Flughafen begrüßt, wo wir erneut vom strengen Personal geprüft werden. Wenige Minuten später dürfen wir offiziell den myanmarischen Boden betreten. Reise-Etappe Nr. 2 beginnt!

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Mit AirAsia geht’s innerhalb von 2 h günstig von Bangkok nach Yangon.

Überrascht ein Touristenbüro am Flughafen zu finden, holen wir uns sogleich eine Stadtkarte von Yangon. Da der Flughafen ein gutes Stück entfernt von der Innenstadt liegt, steuern wir den Taxistand an. Ein freundlich lächelnder Mann begrüßt uns und bietet uns die Fahrt in die Innenstadt zu unserem Hotel an. Als er uns im Gespräch entgegengesetzt der wartenden Taxis zu einem anderen Parkplatz führt, halten wir verdutzt und alarmiert inne. Ist das nicht eine bekannte Masche aus Thailand? Wir bleiben stehen und verwickeln den Fahrer in prüfende Fragen. Er lacht, lobt unsere Vorsicht und zeigt uns seine Taxilizenz mit dem Satz „In Myanmar gibt’s kaum Kriminalität“. Während der Fahrt erhalten wir eine Menge Infos über Yangon und weiteres Kartenmaterial. Für etwa 12 € gelangen wir nach 1 ½ h rasanter, laut hupender Fahrt ins chinesische Viertel zum SAT-Hotel. Anders als in Thailand kommt der lautester Huper mit rabiaten Spurwechseln am schnellsten ans Ziel. Wie in Thailand haben Krankenwagen selbst im Einsatz das Nachsehen.

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Ähnlich wie in Bangkok herrscht in Yangon ein hohes Verkehrsaufkommen. Täglich gibt’s morgens und abends Stau. In der Innenstadt sind zwar Roller verboten, dennoch ist es durch den durchweg hupenden Verkehr recht laut.

Über eine steile, mit Wellblech ausgekleidete Treppe wanken wir zum Eingang des SAT-Hotels. Wir werden von sehr zuvorkommenden und freundlichen Personal begrüßt, welche uns sogleich die Rucksäcke abnehmen. Da Josi über die gewöhnungsbedürftigen Stufen alles andere als elegant hereinstolpert, wird sie mehrfach nach ihrem Wohlbefinden gefragt. Wir erhalten neben weiteren Karten eine ausführliche Wegbeschreibung zu möglichen Besichtigungspunkten. Anschließend werden wir in unsere Schlafkabine geleitet, die trotz einfacher Ausstattung ohne Fenster gemütlich ist. Da es bereits dunkel ist, verweilen wir nicht lange und suchen ein kleines Restaurant in der Nähe. Vorbei an unzähligen Straßenständen des Nachtmarktes, wo alles Mögliche brodelt und zischt, gelangen wir in ein kleines, aber feines Lokal. Gut gesättigt geht’s vorbei an dem hupenden Konzert zurück ins ruhigere Gebäude.

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Das hiesige Rohrsystem gleicht dem thailändischen Stromnetz.

Der nächste Tag startet mit einem fantastischen Frühstück, wo uns fluffige Pancakes in süß-nussig-kandierter und deftiger Kombination gereicht werden. Dazu gibt‘s Toast, Obst und Getränke. Im Anschluss starten wir unsere Stadterkundungstour durch viele Straßen und Gässchen, wo uns so manche Burmesen erstaunt ansehen oder versteckt fotografieren. Vorbei an kolonialen Gebäuden und dem Rathaus treffen wir auf etwas aufdringliche Verkäufer, welche uns selbst nach höflicher Ablehnung Bögen voller Postkarten während des Laufens vor unser Gesicht halten. Das vor Ort abgeschickte Postkarten den anvisierten Zielort erreichen, ist wie in Thailand jedoch eher Glückssache. Nach einem kurzen Abstecher zum Bogyoke Aung San Market steuern wir Yangons Hauptattraktion an: die Shwedagon-Pagode. Der Eintritt ist stattlich, doch die Besichtigung der großen Tempelanlage ist für ca. 8 € p.P. lohnenswert. Die 60 000 m² große Anlage beherbergt weitere Tempel, Schreine und Buddha-Figuren und ist mit vielen Touristen sowie Einheimischen gefüllt. In unmittelbarer Nähe entdecken wir auf dem Rückweg die Maha Wizaya Pagode, welche wir kostenlos besuchen können. Wir sind beeindruckt von den aufwendigen Malereien und Verzierungen im Innern der Pagode. Im Schatten der Shwedagon-Pagode wird dieser sehenswerte Tempel kaum beachtet – wir sind die einzigen Touristen.

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Das Betreten des Inneren der 90 m hohen Shwedagon-Pagode ist den Mönchen vorbehalten.

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Die kleinere, aber nicht weniger schöne Maha Wizaya-Pagode.

Wiederkehr nach Bangkok

Unsere letzte Nacht auf Koh Mak verläuft überraschend ruhig und ohne unangekündigten Besuch. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass man bei uns als Insektoid rausgeworfen wird. Nach einer etwas unruhigeren Überfahrt mit dem Schnellboot geht’s mit einem Pick-Up-Taxi wieder nach Trat. Von hier fahren wir 6 h zurück ins trubelige Bangkok. Nachdem wir etwa die Hälfte des Weges hinter uns gelassen haben, beginnt Kondenswasser von der Decke des Busses zu tropfen. Die zu kalt eingestellte Klimaanlage scheint schlecht isoliert worden zu sein. Während sich unser Vordermann mit einer Decke gegen den Wasserschwall zu schützen versucht, beginnen wir Servietten in die Zwischenräume zu stopfen. Die Klimaanlage trocknet die Serviette, während diese das Schwitzwasser auffängt. Ein guter Kreislauf für die restliche Fahrt.

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Unser heimlicher Paparazzi Christian hat uns dieses Bild zukommen lassen. Dank dessen kamen wir mit zwei wunderbaren, gleichgesinnten Menschen ins Gespräch.

An Joe’s Geburtstag gedenken wir etwas besser essen zu gehen. Das Glur Watergate Personal gibt uns noch die letzten Restaurant-Tipps und auf geht’s. Auf dem Weg laufen wir über einen Night Market und verpassen vor lauter Ständen unsere Abbiegung. Wir landen vor den Eingangstoren des Sky-Hotels. Ein schicker Hotelriese mit 89 Stockwerken. Wir schlendern in 3/4 Hose und Flip-Flops am Eingang vorbei und lesen etwas von einer Sky-Bar und Aussichtsplattform. Den Pagen wollen wir nach dem Dresscode fragen. Er schaut uns kurz an und meint „That’s ok“ und geleitet uns in den Fahrstuhl. Im 18. Stock (dem Foyer) angekommen haben wir schon einen tollen Blick über die naheliegende Gegend. Teure Cafés und Geschäfte liegen rund um die in der Mitte angelegten Fahrstühle. Überall sind nur Anzüge und Abendkleider zu sehen. Eine seriös dreinblickende Empfangsdame kommt uns entgegen und wir sehen uns schon wieder auf dem Weg nach unten. Sie bringt uns jedoch zur Rezeption, wo wir Tickets für das Rooftop-Restaurant (2600 THB p.P. für das Buffet) oder die Aussichtsplattform (400 THB p.P + gratis Cocktail) kaufen können. Während wir überlegen, werden wir auffällig gemustert. Als wir uns für die günstigere Variante entscheiden wird nur wissend, müde gelächelt. Herrlich, wie schnell man zurück in die Welt der Oberflächlichkeit tauchen kann.

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Das Geschäftsviertel Bangkoks bei Nacht.

Im 87. Stock angelangt erwartet uns eine Treppe, um noch die letzten beiden Stockwerke zu überbrücken. Stockwerk 89. liegt auf dem äußersten oberen Ring des Gebäudes und ist eine riesige, sich drehende Plattform. Innerhalb von 10 min können wir – ohne uns von der Stelle zu bewegen – einmal alle Himmelsrichtungen sehen. Wir fahren 5 mal rum und lassen den Ausblick über Bangkok bei Nacht auf uns wirken. Im Anschluss geht’s in die Sky-Bar ein Stockwerk tiefer, um den zugehörigen Cocktail abzuholen. Anders als bei den Menschen, die wir unten auf der Straße antreffen, ist bei der High-Society Thailands eine gewisse Distanz spürbar. Sei es die Empfangsdame, das Hotelpersonal oder die Bedienung in der Bar – alle sind Ernst und haben im Land des Lächelns etwas von ihrer Fröhlichkeit verloren. Der Ausblick ist schön, das Ambiente hochwertig und die Cocktails ok. Trotzdem fühlen wir uns weniger willkommen als an den Orten, an denen man sich Freundlichkeit nicht mit schicken Klamotten oder viel Geld erschwindeln muss.

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Ein reges Treiben auf den Straßen Bangkoks, egal zu welcher Tageszeit.

Auf Augenhöhe mit Thailands Krabbeltieren auf Koh Mak

Statt der vorerst geplanten Insel-Hopping-Tour über das Koh Chang-Archipel begeben wir uns aufgrund der angebrochenen Nebensaison auf den Weg nach Koh Mak. Nur in der Hauptsaison verkehren Fähren zwischen den einzelnen Inseln. Als einzige Überquerungsmöglichkeit verbleibt uns daher ein staatlich überwachtes Schnellboot. Innerhalb von 45 min bringt uns das große Boot bei sehr ruhigem Seegang über den Thailändischen Golf. Dank der gemütlichen Fahrt haben wir einen hervorragenden Blick auf die umliegenden Inseln. Unsere Vorfreude auf den Inselurlaub wächst.

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Eine traumhafte Ankunft am Ao Nid Pier auf Koh Mak.

Auf der Insel angekommen, erwarten uns wie so oft einige Pick-Up-Taxis. Da wir vor unserer Eincheck-Zeit angekommen sind, laufen wir gemütlich 20 min zu Fuß zum Banana Sunset Resort. Uns erwartet junges, quirliges Personal, welches uns freundschaftlich willkommen heißt. Die nächsten drei Nächte werden wir hier in einen kleinen Bungalow verbringen. Unsere Unterkunft liegt nur wenige Meter vom Meer entfernt, umgeben von Palmen und Dschungelgewächsen – wie idyllisch.

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Unsere erste Erkundung der drittgrößten Insel des Archipels.

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Wie bereits an allen anderen Orten ist auch hier überall Müll zu finden. Angesichts eines solchen Paradieses, eine sehr traurige, leider zunehmende Entwicklung. In einer eigenen Rubrik werden wir für alle Interessierten das Thema genauer beleuchten (in Bearbeitung).

Nach dem Einchecken erkunden wir zu Fuß die Insel und suchen einen ruhigen Strand. Wieder einmal finden wir größere Mengen Müll abseits der belaufenen Wege an eigentlich traumhaften Stränden. Von unserem Resort-Personal erfahren wir später, dass sich in der Hochsaison viel mehr Personal allein mit ‚Pflege‘ der Strände beschäftigt. Unsere Erkundungstour führt uns an vielen Baustellen für neue Resorts und einigen Kautschukplantagen vorbei. Verteilt zwischen den Bäumen entdecken wir dabei zwei riesige, Tellerhand große Spinnen. Wir machen uns schließlich auf den Rückweg zum Banana Sunset Resort und genießen einen traumhaften Sonnenuntergang. Wir lernen dabei Francesca aus Chile und Christian aus den USA kennen und verbringen einen unterhaltsamen Abend. Geschafft vom Tag freuen wir uns schließlich auf unser Bett. Da das unklimatisierte Bungalow durch große Spalten offen für sämtliches Getier ist, checken wir unser Schlafgemach nach möglichen Eindringlingen. Zum Glück finden wir nur Geckos verschiedenster Größe als unseren persönlichen Insektenschutz. Zum Schluss richten wir noch das Mosquitonetz ein, welches wir zur Sicherheit unter unsere Matratze befestigen. Ein letzter Check mit der Taschenlampe und gute Nacht! Nach einigen verquatschten Minuten dösen wir ein. Geweckt von einem zärtlichen Happs in Joe’s Schulter sitzen wir kerzengerade und alarmiert im Bett. Mit der Lampe beginnt die Suche nach dem Unruhestifter und Ausgang zugleich. Der Schein fällt auf einen mind. 15 cm großen Hundertfüßer mit einem riesigen Zwickwerkzeug. Er hängt wie erstarrt am Inneren des Mosquitonetzes auf unserer Kopfhöhe. Wie auch immer er hineingekommen ist, er muss hinaus! Gar nicht so einfach bei so einer Größe und so vielen schnellen, windigen Füßen. Nach 10 min vorsichtiger Jagd befindet sich das Insekt lebendig im Mülleimer. Gut, der Mülleimer muss diese Nacht also draußen schlafen. Um wenigsten eine Sicherheitslücke zu schließen, opfern wir unser Badehandtuch und stopfen es in den Türspalt. Vom Adrenalin gepackt suchen wir erneut das Zimmer ab. Wer könnte sich noch in irgendeiner Ritze verstecken? Unsere Müdigkeit ist dahin als wir zögerlich zurück unter das vermeintlich sichere Mosquitonetz kriechen. Nach mehrfachen Taschenlampenchecks steht uns eine unruhige Nacht bevor.

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Unser einsamer Strand, ein perfektes Postkartenmotiv.

Am nächsten Tag wie gerädert leihen wir dank Nebensaison für nur 150 THB einen Roller und Schnorchelsachen aus. Vom Personal erfahren wir bessere Strandgelegenheiten, welche wir nach einer Inselbefahrung ansteuern. Erstmalig sehen wir einen traumhaften hellen Sand, kristallklares Wasser und das Beste, wir sind komplett allein.  Am Abend treffen wir per Zufall Francesca und Christian am anderen Ende der Insel wieder. Gemeinsam schlürfen wir Cocktails und essen zu Abend, während langsam die Sonne im Meer verschwindet. Entspannt geht’s zurück in die Unterkunft, wo wir gründlich das Zimmer und unser Bett checken. Wir sehen noch etwas großes, wuseliges mit eindeutig zu vielen Füßen über das Mosquitonetz in eine Ecke des Bettes rennen. Klasse, wir haben einen neuen haarigen, Tellerhand großen Mitbewohner mit acht Füßen. Nach rund 20 min und unter Zuhilfenahme eines Schirmes können wir das Tier dazu bringen, ein neues Schlafgemach zu suchen. Puhh… wir fallen erschöpft ins Bett, nur um 3 Uhr nachts vom kleineren Bruder des Hundertfüßers geweckt zu werden.

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Traumhafte Sonnenuntergänge auf Koh Mak. In Natura zusammen mit dem Meeresrauschen und der frischen Brise noch eindrucksvoller.

Ein neuer geräderter Tag beginnt an dem wir an einem Schnorchelausflug teilnehmen wollen. Als wir 2 km hinausfahren verhindert der Wellengang ein Weiterkommen. Nach einer Berg- und Talfahrt, bei der das Boot mehrfach bretthart aufschlug, entscheidet der Skipper zu recht abzubrechen. Als Alternative bietet unsere Tauchschule uns einen neuen Versuch mit einem größeren Boot 2 h später an. So verbringen wir den gesamten Tag vor der Küste an verschiedenen Spots schnorchelnd. Wir lernen ein nettes Paar aus Deutschland kennen – Daniel & Jessie, die uns mit ihrer Schnorchelerfahrung und zahlreichen Fischnamen bereichern. Bisher kannten wir nur Dori und Nemo. In den Pausen tauschen wir unsere gegenseitigen lustigen und manchmal ungewollten Abendteuer aus.

Unser Wendepunkt Trat

Am Abreisetag begeben wir uns in Chanthaburi frühzeitig mit vollem Gepäck zur Busstation. Diese ist kaum weiter als 10 min entfernt. Mit einem ‚Big Bus‘ geht‘s für 76 THB p.P. auf nach Trat. Um 12 Uhr gestartet und damit 30 min früher als es der Busplan vorsieht, fahren wir weiter gen Süden. Vorbei am Phlio Nationalpark direkt in ein Gewitter. Nach einstündiger Fahrt erreichen wir Trat. Hier ist das Wetter zwar schön jedoch müssen wir feststellen, dass der Bus nicht dicht hält. Unsere beiden Reiserucksäcke sind deutlich angenässt, der Laderaum des Busses erinnert eher an eine Pfütze. Wieder was gelernt, ab jetzt ziehen wir auf Busreisen immer den Regenschutz über unsere Taschen.
Unsere neue Unterkunft, das Pailin Resort liegt erstmals außerhalb der Stadt. Die Busstation zum Glück auch und so sind wir nach 40 min und 2 km pünktlich um 14 Uhr zum Einchecken da. Wir überprüfen den Nässeschaden, wobei Josi mehr zu verkraften hat als Joe. Eine Klorolle hat den Mammutanteil aufgesaugt … gutes Lidl Recyclingpapier. Wir spannen ein Nylonseil und beginnen damit die Rolle aufzuhängen. 🙂 Thailändisches Klopapier hat die Angewohnheit sich bei Nässekontakt in Wohlgefallen aufzulösen, daher der Aufwand. Nach 15 min ist unser Zimmer kaum wiederzuerkennen, der Ventilator ordentlich am arbeiten und wir fertig um die Innenstadt zu erkunden.
30 min ist der Laufweg, vorbei an einsamen Parks und verdutzt, neugierig dreinschauenden Einheimischen. Wir passieren zwei Schulen und die Kinder probieren wieder fleißig ihre Englischkenntnisse an uns aus. Wir gelangen zu einem chinesischen Tempel. Aufwendig geschnitzte Drachen zieren das Dach und schlingen sich um die Eingangstore. Rote Lampions hängen um das gesamte Gebäude. Alles ist in ansprechend, abwechslungsreichen Weiß-, Grün- und Rottönen gehalten. Wir beschließen bei Gelegenheit uns weitere dieser Bauwerke anzusehen.

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Ein chinesischer Tempel in Trat (Name in Thai).

Auf dem Rückweg kommen wir an einem großen Tesco Lotus vorbei und wollen neben Snacks für den nächsten Tag auch Abendessen besorgen. Das angeschlossene MK-Restaurant wird unser Ziel. Leider ist der lauwarme Hauptgang, geschmacklose Nudeln und labbrige Ente nicht so unser Fall und alles dauert auch länger als geplant. Im dunkeln geht’s daher auf den Heimweg. Sind am Tage die Straßen und Wege schön grün und die Hunde von der Wärme so schläfrig, dass sie dir nur im Weg rumliegen, ist es nachts etwas völlig anderes. Keine Beleuchtung in den Nebenstraßen und die Hunde bewachen fleißig ihren Straßenabschnitt. Wir wohnen irgendwo im nirgendwo. Ab und zu kommt uns auf der gehweglosen, lichtlosen Straße ein Roller entgegen und verscheucht die aufmerksamen Hunde. Etwas mulmig und angespannt gelangen wir schließlich in unsere Unterkunft. Immerhin ist das Klopapier schon trocken …

Am nächsten Tag hilft unsere Unterkunft bei der Organisation eines fahrbaren Untersatzes. Ein Roller-Taxi fährt uns für einen unbekannten Preis, an einen unbekannten Ort, wo wir vermutlich einen Roller in unbekanntem Zustand leihen können. An der thailändisch-englischen Verständigung arbeiten wir noch. Der geliehene Roller kostet uns nur 200 THB pro Tag, muss jedoch noch aufgetankt werden. Unser Ziel ist der Laem Ngop Pier, von dem es später weiter südlich auf die Inseln gehen soll. Auf dem rund 30 km langen Weg liegt der ‚Black Sand Beach‘, ein Mangroven Forschungs- und Lehrzentrum. Mit etwas Glück finden wir es auf Anhieb. Ein toll angelegter Pfad führt uns durch einen aufgeforsteten Mangrovenwald.

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Neben den bekannten schwarzen und rotschwarzen Krabben leben hier Schlammspringer. Dieses irgendwo zwischen Fisch und Landlebewesen in der Evolution stehenden Tiere sind perfekt an den Morast des Mangrovenwaldes angepasst. Ihre Brustflossen erlauben eine schnelle Fortbewegung im Schlamm und eine noch schnellere im Wasser. Sie leben in kleinen Schlammhöhlen und ständig hört man sie mit einem lauten „Plopp“ in diese verschwinden.

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Oben sieht man die jungen Mangrovenreihen, unten ein Mud-Skipper bevor er mit einem ‚Plopp‘ verschwindet.

Der Weg endet an einem schwarzen ca. 100 m weiten Strand mit einem langen Steg hinaus ins Meer. Die große Hauptinsel Koh Chang vor der Küste Thailands ist trotz leichtem Nieselregen zu erkennen. Nach einiger Zeit des Genießens machen wir uns auf zum eigentlichen Ziel. Am Laem Ngop Pier angelangt treffen wir auf eine gut englischsprechende Dame am Bootticketschalter. Mit Informationen in Thai für den Taxifahrer und den Tickets für den kommenden Tag versorgt schlendern wir den Pier entlang. Ein Matrose eines gerade angelegten Fisch-Kutters wird ungewollt zu unserem Gesicht des thailändischen Müllproblems. Die Plastikflasche des soeben geleerten Energy-Drinks wird vor unseren Auge n einfach ins Meer geworfen.

Der Weg zur grünen Oase

Am nächsten Tag fahren wir mit einen MiniVan zum Nam Tok Phlio National Park. Wir werden an der Kreuzung der Sukhumvit Road abgesetzt und beginnen die 2 km zum Parkeingang zu laufen. Puh … es ist so warm und wir kommen an Stinkfrucht-Plantagen vorbei. Nach wenigen Minuten Fußweg hält ein Pick-up neben uns und ein junger Familienvater steigt aus. Er erspart uns den Laufweg und nimmt uns mit, so dass wir viel schneller als gedacht und dankbar vor dem Eingang des National Parks stehen. Der Eingang und Hauptweg des Parks wimmeln nur so vor Touristen. Gleich hinter dem Eingang stehen kleine, elektrische Autos bereit, um den lauffaulen Mopp über den kurzen, breit ausgebauten Weg zum Wasserfall zu karren. Etwas enttäuscht von der Masse an Menschen und der touristischen Abfertigung des doch so beeindruckenden, riesigen Dschungels schlendern wir den Kaskaden des Wasserfalls entgegen.

dschungel

Die grüne Oase haben wir für uns komplett allein.

Wir finden eine kleine Abzweigung mit einer unauffälligen Beschilderung ‚nature trail`, wie gemacht für uns zwei! Der Weg soll 45 min an den Kaskaden und über den Wasserfall vorbei durch den Dschungel führen. Nebenbei enthält der Pfad kleine Info-Schilder. Wir betrachten noch einmal kurz die Selfies machenden Touristenmassen und entscheiden uns als einzige für den Wanderpfad. Kaum haben wir wenige Meter des Dschungelpfades zurückgelegt, sind die lärmenden Geräusche alsbald verschluckt. Wir hören nur noch die Klänge des Dschungels. Lautes zirpen, hier und da raschelt es, Vögel kreischen. Hier sind wir richtig und fühlen uns gleich wohler. Das strahlende Tageslicht schwindet unter den mächtigen Bambuspflanzen und dem dicken Blätterdach der bis zu 30 m hohen, mit Lianen behangenen Bäume. Die Sichtweite ist auf unseren Wanderpfad beschränkt, um uns herum ist nur undurchdringlicher Wald.

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Fernab der Menschenmasse sind nur Dschungelgeräusche zu vernehmen.

Wir genießen die schattige, jedoch recht schwüle Luft und bleiben alle Weile stehen, um den Anblick und die fremdartigen Geräusche zu genießen. Wir sehen eine Vielzahl an wunderschönen Schmetterlingen, Käfern, sehr großer Ameisen und winzige Termiten. Natürlich gibt’s hier auch jede Menge Spinnen, wir sind jedoch recht froh bisher nur maximal Daumen große Spinnen (trotzdem alles andere als ansehnlich), keine Schlangen oder Skorpione zu sehen. Auf der Hälfte des Weges müssen wir unter einem großen, dicken umgestürzten Riesenbaum hindurchkriechen. Hinüberklettern ist durch darauf wachsendes Gestrüpp unmöglich. Der abenteuerliche Pfad führt uns Hügel hoch und runter, 45 min sind schon längst um. Wir gelangen an einem größeren Bach, die auf der Karte eingezeichnete Brücke zur Überquerung fehlt jedoch. So geht’s nach der altmodischen Art vorsichtig von Stein zu Stein hinüber. Am anderen Ufer müssen wir sogleich einen steilen Hang erklimmen, wo uns ein Kletterseil dabei hilft. Nach einem weiteren Marsch über rutschige, bemooste Steine kommen wir der Zivilisation wieder näher. Eine steinerne, rutschige Treppe führt uns nach 2 h schließlich zur lärmenden Masse zurück.

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Auf dem Weg eines manchmal mehr oder weniger rutschigen Pfades.

Am Ausgang angekommen stehen wir vor einem, komplett mit Moos bedeckten Tempel und sehen den Phlio Wasserfall. Abseits der badenden und fotografierenden Touristen erfrischen wir unsere Füße im kühlen Nass und lassen die vielen Fische an uns knabbern.

tempel

Links ist der eingewachsene Tempel zu sehen, rechts das Tourismus-Highlight der Phlio-Wasserfall.

Rundum glücklich und gefüllt mit schönen Eindrücken begeben wir uns zum Ausgang des Nationalparks. Da wir bisher noch keinen Ort besucht haben, an dem es nicht wenigstens fünf kostenpflichtige, aufdringliche Fortbewegungsmöglichkeiten gab, gehen wir guter Dinge auf die Suche nach einem Taxi. Wir passieren den Eingang, den Parkplatz, die kurze Souvenirstraße vor dem Eingang … nichts. Kein Taxi, kein MiniVan, kein Bus, nicht mal ein TukTuk. Wir laufen zurück zum Eingang und fragen nach. Da die Frau am Schalter bis auf den Eintrittspreis kein Wort Englisch spricht, muss eine einheimische Touristin bei der Übersetzung aushelfen. So erfahren wir, dass es vom Park aus zunächst keine Möglichkeit gibt, wieder nach Chanthaburi zu gelangen. Wir machen uns daher auf den 2 km langen Rückweg zur Hauptstraße. Leider diesmal ohne eine nette Mitfahrgelegenheit, erreichen wir von der Sonne gut angebraten diese nach 40 min. Es dauert nicht lange, da kommt ein Mann auf die zwei verwirrten Touristen zu und erklärt, dass die Busstation auf der anderen Seite der Hauptstraße liegt. Es handelt sich um eine Bank, mitten an einer sechs spurigen Hauptverkehrsader Thailands. Wir setzen uns. Wird schon ein Taxi vorbeikommen, dass uns mitnimmt. Nach ein paar Minuten gesellt sich eine ältere Dame zu uns. Wir ergreifen die offensichtliche Chance und fragen, wie sie nach Chanthaburi gelangt. Bis auf das Wort Chanthaburi bei dem die drei ungleichen Gefährten alle zustimmend einander anlächeln und nicken, wenn dieses fällt gibt es jedoch wenig Kommunikation. Nach einigen Minuten und häufigeren ‚Chanthaburis‘ beginnt die Dame zu telefonieren. Im Anschluss gibt sie uns zu verstehen, dass ein Fahrzeug kommen würde, dass uns drei abholt. Rund 40 min später kommt ein Pickuptaxi, welches uns gemeinsam zurück nach Chanthaburi bringt. So erleben wir unsere erste Taxifahrt frei auf der Ladefläche. Dankbar, 200 Baht ärmer aber glücklich verabschieden wir uns von den beiden. Noch eine Kleinigkeit beim Tesco Lotus eingekauft, erreichen wir unsere Unterkunft und beginnen die Erlebnisse vom Tag zu verarbeiten.

Auf dem Pfad der Edelsteine in Chanthaburi

Mit einem vollbesetzten MiniVan geht’s von Rayong weiter nach Chanthaburi. Aufgrund mangelnden Kofferraums wird unser Gepäck von dem Fahrer einfach zwischen die anderen Fahrgäste und an die Schiebetür gequetscht. Wie gut das wir weitere unerwartete Zwischenstopps machen, um noch zusätzliche Fahrgäste und mehr Gepäck aufzunehmen. Zum Glück fahren wir nur 2 h. Mit vollständigem Gepäck checken wir in unserer Unterkunft ein und starten anschließend mit einer Stadterkundungstour. Wie in Rayong sind auch hier Touristen seltener zu finden und die Anwohner sehr freundlich und interessiert. Einige Kinder sprechen uns an und freuen sich, ihre Englischkenntnisse an uns testen zu können. Wir durchlaufen die Gems Street per Zufall, in welcher sich viele mit Edelsteinen handelnde Geschäfte aneinanderreihen. Vorbei an dem regen Treiben beim Schätzen der Schmucksteine, steuern wir unser erstes Ziel an: die größte Kirche Thailands (Kathedrale der unbefleckten Empfängnis). Besonders das Kircheninnere macht auf uns einen guten Eindruck. Die Decke ist mit dunklen Holz ausgekleidet und erinnert uns an einen Schiffsrumpf, während die in warmen Farben angestrichenen Seitenwände und die Decke zusätzlich mit Blattgold verziert sind. Wie passend katholisch, selbst in Thailand … wir fühlen uns nach Europa zurückversetzt. Der auffälligste Unterschied sind die Mengen an Selfie-Touristen, die mit allem im Hintergrund ein Bild machen müssen. Egal ob Wandverzierung, Beichtstuhl, der Sicherheitsbeamte am Eingang oder die Orgel, alles wird mit dem eigenen Gesicht und hippen Grimassen verziert. Steht ein anderer Tourist im Weg wird dieser auch gern mal beiseite geschoben, nicht das er noch das Bild verunstaltet.

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Die 1909 erbaute Kathedrale der unbefleckten Empfängnis.

Im Anschluss schlendern wir durch eine gut besuchte kleine Ladenstraße am Fluss entlang. Wir finden einige Informationsschilder zu den Gebäuden, diese tragen zum Erkenntnisreichtum leider wenig bei, da sie in Thai gehalten sind. In den Seitengassen versteckt finden wir ausgefallene Straßenkunst. Am Ende der Ladenstraße steuern wir eine Tempelanlage an, die neben einer sehr schönen Grünanlage viele schlafende Hunde beherbergt. An all unseren bisherigen Reiseorten in Thailand sind freilaufende Tiere in großer Zahl vorhanden. Die Thais stören sich nicht an den Streunern und füttern sie sogar. Unter Rollern, Autos oder auf belebten Fußwegen, überall sind entspannte Hunde oder Katzen zu finden. Nicht selten ruhen die Katzen auch auf den zu verkaufenden Waren oder den Vordächern der Stände.

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Begeisternde Kunst an unerwarteten Orten in Chanthaburi.